Making-of: Liquid color Shooting

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Ich hätte nicht gedacht, wieviel Aufwand dieses Shooting dann doch war. Von der Planung bis zur Nachbearbeitung definitiv eines der Aufwändigsten Shootings, das ich bis jetzt gemacht hatte. 😉 Aber wie ich finde, hat sich der Aufwand gelohnt und daher will ich euch hier ein paar der Bilder zeigen und einige Tips zum nachmachen geben. Da es zu dieser Art Shooting nur wenige Informationen im Netz gibt hab ich auch nochmal ein kleines Tutorial zusammengestellt, wie wir die Bilder gemacht haben. Aber gerne bin ich für weitere Ideen und Anregungen offen. Vielleicht ergibt sich ja nochmal die Gelegenheit ein änliches Shooting zu machen. Denn es gibt eines, was man sagen muss…. Das Shooting hat mega viel Spaß gemacht. 😉

Die Idee zu diesem Shooting kam Dominik und mir nach unserem gemeinsamen Holi-Shooting. Danach war der Schritt zu flüssigen Farben die einzige logische Konsequenz und wie es schien auch eine Idee die bei den Models ankam. Denn es dauerte nicht lange, bis wir genug interessierte Models hatten, die mit uns das Shooting wagen wollten und Lust hatten etwas mit Farbe „rumzusauen“. 😉 Am Ende haben wir uns für die drei bezaubernden Damen auf den Bild oben entschieden, bei denen ich mich hier auch nochmal herzlichst bedanken will, dafür das alles so unkompliziert und zuverlässig gelaufen ist. Die Models waren (von links nach rechts)

Als Lokation hatten wir das Glück bei einem guten Freund von mir die Waschhalle eines Autohauses nutzen zu dürfen. Was natürlich den Vorteil hatte mit der Reinigung keine Probleme zu haben, da man einfach mit dem Dampfstrahler durchgehen konnte und alle Farbreste entfernen konnte. Ein weiterer Vorteil war natürlich, das wir die vorhandene Infrastruktur nutzen konnten von Kaffeemaschine über Umkleideräume bis zu Waschplätzen. Was auch schon der erste Tip für ein Shooting dieser Art ist. Die Location ist sehr entscheidend. Die Farbe läuft in jede Ritze und ist auch durch die Ausgelegte Malerfolie nur schwer zu bändigen. Wer also überlegt dies im eigenen Studio zu machen muss mit enormen Vorsichtsmaßnahmen rechnen. Auch Outdoor gestaltet sich oft schwierig. Vor allen weil man dort nur bedingt Möglichkeiten hat wo sich die Damen wieder reinigen können…. und man will ja keine verärgerten und eingefärbte Models haben 😉

Doch bevor wir zu sehr ins Detail gehen kommen hier erst mal ein paar Ergebnisse des Tages:

Doch kommen wir zu den technischen Detail, denn dort lauern ein paar Herausforderungen, über welche man nur schwer Informationen bekommt, wenn man nicht weiß wonach mal sucht. Inspiriert hat uns mal wieder ein Tutorial von Alexander Heinrichs, das ich schonmal ein einem Videofundstück vorgestellt hatte

Hier bekommt man schon einen guten Eindruck, wie das Shooting vonstatten geht, aber über zwei essentielle Informationen wird sich leider ausgeschwiegen. Die Mischung der Farbe und die Belichtungszeit. Aber dazu später mehr.

Der Aufbau bei uns war relativ ähnlich zu dem von Heinrichs, aber da wir halt kein teures Studio-Equipment haben, halt mehr mit Hausmitteln ^^. Als Hintergrund haben wir einen klassischen Schwarzen Stoffhintergrund gewählt (Achtung: Weit genug wegstellen) und mit insgesamt 4 Speedlights (2x Nikon, 2x Yongnuo), welche wir mit den Fernauslöseset von Yongnuo ferngezündet haben, belichtet. Man sieht also, man kann auch mit günstigem Equipment geile Fotos machen ;-). Da wir für das Setup keine Leistung verschwenden durften, haben wir auf jegliche Lichtformer verzichtet. Um dennoch ein relativ weiches Licht zu erzeugen, haben wir zwei Blitze von rechts und links oben verwendet und einen Blitz mittig unter dem Model platziert um Schlagschatten zu vermindern. Das Model selber stand in einer Wanne, die bei der Farbe gleich noch eine große Rolle spielt. Des Weiteren haben wir alles in der Umgebung großzügig mit Malerfolie ausgelegt.

Die Belichtungszeit ist bei diesem Shooting eine trügerische und kniffelige Angelegenheit. Zuerst wollten wie meine Studioanlage nehmen, da diese ordentlich „Wums“ hat. Doch die ersten Tests in der Badewanne mit der Farbe zeigten, das alles verschwommen war. Irgendwie wurde die Farbe zu lange Belichtet um noch scharf abgebildet zu werden. Die Belichtungszeit war am Anschlag (kleinste Synchronisationszeit 1/200 sek.). Im Video wird von einer Belichtungszeit von 1/500 sek geredet. Also wurde kurzerhand auf die Speedlights umgestellt und mit Supersync bei einer 1/500 sek getestet… und siehe da… immer noch verschwommen. :-/ Jetzt stellte sich die Frage, wie haben die das im Video bei 1/500 sek scharf bekommen. Ich denke der ein oder andere hat schon eine Idee. Das Schlüsselwort hierbei ist die Abbrennzeit des Blitzes. Jeder Blitz Beleuchtet die Szene eine ganz bestimmte zeit, die meist viel kürzer ist als die Belichtungszeit der Kamera. Einige „googelei“ und Datenblattrecherche schaffte dann Klarheit. Um Flüssigkeiten scharf abzubilden darf man sie nicht viel länger belichten als ca 1/2000 sek. Die Kamerabelichtungszeit auf einen so kurzen Wert zu stellen war keine Alternative, da die Blitze einfach zu schwach waren um dann noch genug Licht ins Dunkel zu bringen. Also mussten die Blitze alles retten. Die Abbrennzeit eines Blitzes hängt in der Regel von die genutzten Leistung ab. Je geringer die Leistung desto kürzer die Abbrennzeit. Sowohl meine Studioblitze als auch die Speedlights haben eine Abbrennzeit von ca 1/800 sek bei voller Leistung. Bei 1/4 Leistung reduzierte sich die Abbrennzeit der Speedlights sogar auf 1/2200 sek und war somit kurz genug um die Flüssigkeit einzufrieren. Die Abbrennzeitreduktion bei meinen Studiblitzen war leider nicht stark genug um in diese Regionen zu kommen. Aber inzwischen hatte ich in Foren eh schon gelesen, das zum Flüssigkeiten einfrieren ehr, wegen ihrer kürzeren Abbrennzeit, zu Speedlights geraten wird. Also am Ende war die Belichtungszeit der Kamera eigentlich irrelevant. Sie sollte nur kurz genug sein um Umgebungslicht auszuschließen und lang genug sein um mit dem Blitz zu synchronisieren( wir sind dann wieder auf 1/200 sek. gegangen). Die eigentliche Belichtung passierte dann in den 1/2200 sek Abbrennzeit des Blitzes. Im Nachhinein hätte die Abbrennzeit noch kürzer gewählt werden könne, da wir doch noch einige Bewegungsunschärfen im Bild hatten. Aber die waren vertretbar.

Der nächste Punkt war die Farbmenge und das Mischverhältnis. Als Farbe haben wir Gouache aus dem Künstlerbedarf genommen. Dies ich eine Farbe ähnlich der Fingerfarbe. Sie lässt sich mit Wasser verdünnen, ist wasserlöslich und nicht giftig. Letzteres ist wichtig, da es doch passiert, das ein Model Farbe in den Mund bekommt. Die Farbe kostet ca 5€ pro Liter. Nach einigem Rumprobieren, haben wir eine Verdünnung von einem Liter Farbe + 3 Liter Wasser verwendet.  Die Farbe hatte in dieser Verdünnung eine gute Konsistenz und war flüssig genug zum schmeißen. Beim nächsten Mal würde ich sogar etwas weniger Wasser nehmen, da sie nach dem auftreffen dann das Model wahrscheinlich noch etwas ruhiger umflossen hätte. Jetzt hatten wir oft den Fall, das wir starke Verwirbelungen und viele Farbspritzer hatten. Aber das ist sicher eine Geschmackssache. Einen sehr wichtigen Tip noch zu dem Wasser, den wir beim ersten Model nicht beachtet hatten.. Nehme um Gottes willen warmes Wasser 😉 Sara wäre uns fast aus der Wanne gesprungen :-D. Die Farbmenge abzuschätzen war Anfangs auch ein Problem. Im Endeffekt haben wir aber nur 2 Liter Farbe (Also 8 Liter verdünnt)pro Model gebraucht. Hier kommt dann die Wanne ins Spiel, in der die Models standen. Denn hier sammelt sich doch relativ viel Farbe, die am Model herunter gelaufen ist. Diese kann man super nochmal verwenden, wenn das Model damit keine Probleme hat. Aber sonst schadet es nicht ein paar Liter in Reserve zu kaufen. Ich konnte zum Glück versiegelte Farbe wieder im Laden zurückgeben. Somit waren die Reservefarben kein Problem.

Das Schmeißen der Farbe selber erfordert etwas Übung und ist nur schwer zu beschreiben. Gerade das Zielen und das Synchronisieren der beiden Werfer dauert etwas. Was sich als sinnvoll herausgestellt hat ist, das das Fotograf bis drei zählt, die Werfer bis  zwei mit den Schüsseln ausholen und auf drei nach vorne schnellen lassen. Dabei sollte die Bewegung abrupt gestoppt werden, damit die Farbe schön gleichmäßig los fliegt. Als Schüsseln haben sich gefäße mit flachen Rand und großen Durchmesser bewährt. Damit entsteht ein schön breiter Schwall.

Soo. Ich denke ich habe jetzt gemug geschrieben und ich hoffe es hat noch jemand durchgehalten und bis zum Ende gelesen. Ich wünsche viel Spaß beim Nachmachen und es würde mich freuen von euren Versuchen und evtl. einigen Verbesserungen zu hören. Zum Schluss kommen noch ein paar Making-Of Bilder. Viel Spaß beim Ansehen 😉